Aloe vera in der Hautpflege: Feuchtigkeit und Beruhigung aus der Echten Aloe
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Aloe vera gehört zu den bekanntesten Pflanzen in der Hautpflege. In Feuchtigkeitsgels, Seren, Masken und After-Sun-Produkten wird sie vor allem wegen ihrer feuchtigkeitsspendenden, kühlenden und beruhigenden Eigenschaften eingesetzt. Doch was davon ist wissenschaftlich tatsächlich belegt?
Die botanisch korrekte Bezeichnung lautet Aloe vera (L.) Burm.f.; im Deutschen wird sie als Echte Aloe bezeichnet. In der Kosmetik findet man häufig die INCI-Bezeichnungen Aloe Barbadensis Leaf Juice oder Aloe Barbadensis Leaf Extract.
Was steckt in Aloe vera?
Für kosmetische Anwendungen ist vor allem das farblose Gel beziehungsweise Blattmark im Inneren der fleischigen Aloe-Blätter interessant. Es besteht überwiegend aus Wasser, enthält aber auch Polysaccharide, Zuckerderivate, Aminosäuren, Mineralstoffe und weitere pflanzliche Bestandteile. Zu den besonders untersuchten Polysacchariden gehört Acemannan.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem inneren Gel und den äußeren Blattbereichen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass die äußeren Blattschichten verschiedener Aloe-Arten Anthranoide enthalten können. Für Lebensmittel und Kosmetika werden dagegen üblicherweise Zubereitungen aus anthranoidfreiem Gel beziehungsweise innerem Blattmark verwendet. [1]
1. Feuchtigkeit für die Hornschicht
Die äußerste Hautschicht, das Stratum corneum, spielt eine entscheidende Rolle für ein glattes und geschmeidiges Hautgefühl. Verliert sie zu viel Wasser, kann die Haut trocken, rau oder gespannt wirken. Auch kleine Trockenheitsfältchen werden dann schneller sichtbar.
Eine klinische Untersuchung mit kosmetischen Formulierungen, die unterschiedliche Konzentrationen an Aloe-vera-Extrakt enthielten, zeigte einen messbaren Anstieg der Hautfeuchtigkeit. Nach zwei Wochen regelmäßiger Anwendung waren die Hydratationswerte der Hornschicht bei den Aloe-haltigen Formulierungen verbessert. [2]
Die Forscher führten dies unter anderem auf einen humektanten Effekt zurück. Vereinfacht bedeutet das: Bestandteile des Aloe-Gels können dazu beitragen, Wasser in der oberen Hautschicht zu binden.
Damit ist Aloe vera besonders interessant für feuchtigkeitsarme und gespannte Haut. Auch bei Mischhaut oder eher öliger Haut kann sie sinnvoll sein, weil leichte Aloe-Gels oder Seren Feuchtigkeit liefern können, ohne zwangsläufig eine schwere, fettreiche Textur zu erzeugen.
2. Beruhigende Pflege für beanspruchte Haut
Aloe vera wird traditionell nach Sonne, Wind oder Rasur verwendet. Für ihre beruhigenden Eigenschaften gibt es auch interessante Humanstudien.
Ein Forschungsteam der Hautklinik des Universitätsklinikums Freiburg untersuchte ein hoch konzentriertes Aloe-vera-Gel mit 97,5 % in einem randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten UV-Erythemtest mit 40 Probanden.
48 Stunden nach der Anwendung zeigte das Aloe-vera-Gel eine signifikante Verminderung der durch UV-Strahlung ausgelösten Hautrötung gegenüber der Gelgrundlage. [3]
Das bedeutet nicht, dass Aloe vera eine entzündliche Hauterkrankung medizinisch behandelt. Für die Kosmetik liefert die Untersuchung jedoch einen nachvollziehbaren Hinweis darauf, weshalb Aloe vera besonders häufig in beruhigenden Pflegeprodukten für gerötete, empfindlich wirkende oder durch äußere Einflüsse beanspruchte Haut eingesetzt wird.
Auch Wissenschaftler der Universität Freiburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München betonen im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (JDDG), dass pflanzliche Inhaltsstoffe in Dermatologie und Kosmetik evidenzbasiert bewertet werden sollten. Nicht jede traditionelle Anwendung darf automatisch als klinisch bewiesene Wirkung verstanden werden. [4]
3. Aloe vera und die Hautbarriere
Aloe vera kann die natürliche Hautbarriere nicht ersetzen. Sie liefert beispielsweise nicht die vollständige Mischung an Lipiden, die eine sehr trockene Haut benötigt.
Ihre Stärke liegt vielmehr in der Kombination aus Wasser und feuchtigkeitsbindenden Bestandteilen.
Deshalb lässt sich Aloe vera besonders gut mit anderen bewährten Feuchthaltemitteln wie Glycerin, Hyaluronsäure oder Panthenol kombinieren. Bei ausgeprägt trockener Haut können zusätzlich Emollients und geeignete Lipide sinnvoll sein, um den Wasserverlust über die Haut zu reduzieren und die Oberfläche geschmeidig zu halten.
Ein gutes Aloe-Produkt muss daher nicht zwangsläufig möglichst viele verschiedene Wirkstoffe enthalten. Gerade bei empfindlicher Haut kann eine überschaubare und bewusst reduzierte Formulierung von Vorteil sein.
4. Aloe vera nach der Sonne – aber kein Sonnenschutz
Aloe vera ist ein Klassiker in After-Sun-Produkten. Das liegt vor allem an ihrem frischen Hautgefühl, der Feuchtigkeitsversorgung und den beruhigenden Eigenschaften.
After Sun darf jedoch nicht mit Sonnenschutz verwechselt werden.
Aloe vera besitzt keinen verlässlich geprüften Lichtschutzfaktor und ersetzt keine Sonnencreme mit geeigneten UVA- und UVB-Filtern.
Sie ist vielmehr als Pflege nach der Sonnenexposition zu verstehen: Die durch Sonne und Wärme beanspruchte Haut erhält zusätzliche Feuchtigkeit und eine angenehm beruhigende Pflege.
5. Für welche Hauttypen eignet sich Aloe vera?
Aloe vera kann besonders interessant sein für:
- feuchtigkeitsarme Haut,
- trockene und gespannte Haut,
- empfindliche Haut,
- Mischhaut und ölige Haut,
- durch Sonne oder Wind beanspruchte Haut,
- sowie Haut nach der Rasur.
Bei empfindlicher Haut ist jedoch nicht allein entscheidend, ob auf der Verpackung „Aloe vera“ steht. Viel wichtiger ist die gesamte INCI-Liste.
Duftstoffe gehören beispielsweise zu den bekannten Auslösern von Kontaktallergien. Das deutsche Gesundheitsportal nennt Duftstoffe in Kosmetika ausdrücklich als häufige Auslöser einer Kontaktallergie. Auch ätherische Öle können entsprechende Reaktionen verursachen. [5]
Ein Produkt kann daher zwar viel Aloe vera enthalten, durch starke Parfümierung, ätherische Öle oder eine sehr komplexe Mischung zahlreicher Pflanzenextrakte für besonders sensible Haut aber trotzdem weniger geeignet sein.
Weniger kann bei sensibler Haut mehr sein
Gerade für empfindliche Haut ist deshalb eine möglichst einfache Aloe-vera-Formulierung besonders interessant.
Ein Aloe-vera-Konzentrat* mit einer kurzen und übersichtlichen INCI-Liste – idealerweise ohne Parfum, ätherische Öle und unnötige potenzielle Reizstoffe – kann für sensible Haut besonders gut geeignet sein.
Der Vorteil liegt dabei nicht einfach darin, dass „je höher konzentriert, desto besser“ gilt. Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus einem hochwertigen, kosmetisch aufbereiteten Aloe-Rohstoff und einer reduzierten Rezeptur mit möglichst wenigen zusätzlichen Belastungsfaktoren für die Haut.
Für sensible Haut bedeutet das häufig:
Feuchtigkeit und Beruhigung, ohne die Haut gleichzeitig mit unnötig vielen Zusatzstoffen zu konfrontieren.
Auch bei einem sehr schlicht formulierten Produkt gilt jedoch: Natürliche Inhaltsstoffe sind nicht automatisch für jeden Menschen reizfrei. Bei sehr reaktiver Haut empfiehlt es sich deshalb, ein neues Produkt zunächst an einer kleinen Hautstelle zu testen.
Perfekt für eine reduzierte Pflegeroutine
Aloe vera eignet sich besonders gut als unkomplizierte Basis für eine minimalistische Hautpflege. Das konzentrierte Aloe-vera-Produkt lässt sich problemlos mit weiteren ausgewählten Wirkstoffen kombinieren und in eine individuelle Layering-Routine integrieren.
Gerade bei empfindlicher oder schnell überforderter Haut kann eine bewusst reduzierte Pflege mit wenigen, gezielt ausgewählten Inhaltsstoffen sinnvoll sein.
In der Basis Linie steht Aloe vera deshalb für einen einfachen Ansatz: Feuchtigkeit und beruhigende Pflege, ohne die Haut mit unnötig komplexen Formulierungen zu belasten.
Je nach Hautbedürfnis lässt sich Aloe vera anschließend beispielsweise mit Hyaluron 0,3 %, D-Panthenol oder weiteren Produkten der Basis Linie kombinieren.
* Mit „Aloe-vera-Konzentrat“ ist hier eine konzentrierte, für kosmetische Anwendungen entsprechend aufbereitete Aloe-vera-Zubereitung gemeint. Es handelt sich nicht um frisch aus einem Aloe-Blatt gewonnenen, unbehandelten Pflanzensaft.
Wissenschaftliche Quellen
[1] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin (2017).
Nahrungsergänzungsmittel mit anthranoidhaltigen Aloe-Ganzblattzubereitungen bergen gesundheitliche Risiken. Stellungnahme Nr. 032/2017 des BfR.
DOI: 10.17590/20171102-133629.
[2] Dal'Belo, S. E.; Gaspar, L. R.; Maia Campos, P. M. B. G. (2006).
Moisturizing effect of cosmetic formulations containing Aloe vera extract in different concentrations assessed by skin bioengineering techniques.
Skin Research and Technology, 12(4), 241–246.
DOI: 10.1111/j.0909-752X.2006.00155.x.
[3] Reuter, J.; Jocher, A.; Stump, J.; Grossjohann, B.; Franke, G.; Schempp, C. M. (2008).
Investigation of the Anti-Inflammatory Potential of Aloe vera Gel (97.5%) in the Ultraviolet Erythema Test.
Skin Pharmacology and Physiology, 21(2), 106–110.
Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Freiburg.
DOI: 10.1159/000114871.
[4] Reuter, J.; Wölfle, U.; Korting, H. C.; Schempp, C. M. (2010).
Welche Pflanze für welche Hauterkrankung? Teil 2: Dermatophyten, chronisch-venöse Insuffizienz, Photoprotektion, aktinische Keratosen, Vitiligo, Haarausfall, kosmetische Indikationen.
Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (JDDG), 8, 866–873.
Universität Freiburg / Ludwig-Maximilians-Universität München.
DOI: 10.1111/j.1610-0387.2010.07472.x.
[5] gesund.bund.de – Bundesministerium für Gesundheit.
Kontaktallergie: Ursachen und Therapie.
Duftstoffe in Kosmetika und ätherische Öle werden als mögliche Auslöser von Kontaktallergien aufgeführt.
Aesthetic Elite Wirkstoffwissen
Dieser Beitrag wurde von der Wissenschaftlichen Redaktion | Aesthetic Elite Germany recherchiert und auf Grundlage dermatologischer und kosmetikwissenschaftlicher Fachliteratur erstellt.
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